| Die Faszination der Geisteswissenschaften ist offensichtlich ungebrochen: Jeder vierte Studierende an deutschen Universitäten ist aktuell für Germanistik, Kunstgeschichte & Co. eingeschrieben. Es zählen immerhin 17 Studienbereiche und 96 Fächer zu den Geisteswissenschaften, die sich durch eine beachtliche Vielfalt der Methoden und der Forschungsgegenstände auszeichnen. So ist es kaum verwunderlich, dass Jahr für Jahr immer mehr Hochschulabsolvent/innen mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund auf den Arbeitsmarkt drängen. Die Studiengänge der geisteswissenschaftlichen Disziplinen sind mit aktuell rund 350.000 Studierenden an deutschen Hochschulen sehr beliebt. Der Übergang ins Berufsleben gestaltet sich jedoch schwierig. Auf dem Stellenmarkt fristet diese Fächergruppe ein Mauerblümchendasein. Lediglich 653 vakante Stellen für Geisteswissenschaftler meldeten bundesweit potenzielle Arbeitgeber der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2005. An dieser prekären Arbeitsmarktlage hat sich grundlegend nichts verändert. Den Universitäten ist die schwierige Lage, in die sie ihre Absolventen entlassen, durchaus bewusst. Was liegt also näher, als die erworbenen Qualifikationen außerhalb einer Festanstellung zu nutzen und die Chancen für den Aufbau einer selbständigen Existenz auszuloten?
Viele Hochschulen reagierten schon vor Jahren und setzten entsprechende Programme auf. Mit angeboten wie „BWL oder Geschäftsplanung für Geisteswissenschaftler/innen“ sollen Geisteswissenschaftler/innen und Studierende anderer Fächer parallel zum Studium für die Privatwirtschaft und auch ganz gezielt für die eigene Unternehmenstätigkeit vorbereitet werden. Über 60 deutsche Hoch- und Fachhochschulen haben zudem inzwischen eigene Lehrstühle zu Existenzgründung und Entrepreneurship eingerichtet, um das Thema voranzutreiben. Darüber hinaus erklärte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Wissenschaftsjahr 2007 unter dem Motto "Die Geisteswissenschaften. ABC der Menschheit" zum Jahr der Geisteswissenschaften.
Die Geisteswissenschaften zählen nicht zu den klassischen Fächern der Spin-offs, für Gründungen quasi direkt aus dem Hörsaal heraus. Dennoch: Gründungsinteresse unter den Geisteswissenschaftlern/innen ist durchaus vorhanden. Auf Basis einer umfassenden Studie unter mehr als 62.000 Studierenden stellte das Bundesforschungsministerium 2001 fest, dass sich mehr als ein Drittel der Befragten mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund vorstellen kann, später dauerhaft selbständig tätig zu sein. Auch die Studie FACE – Female Academic Entrepreneurs zeigt deutlich die „neuen akademischen Gründungspotenziale in wissensbasierten Dienstleistungen“, zu denen auch die Studierenden der Geisteswissenschaften gehören. Dieser Trend hält ungebrochen an: Die Studierenden und Absolventen der Geisteswissenschaften sind mit die aktivste Gruppe im Hinblick auf Gründungen. Der Weg vom Elfenbeinturm in den Chefsessel ist möglicherweise gerade für die Geisteswissenschaftler ein schwieriges Unterfangen, doch davon lassen sich immer weniger Absolventen/innen abschrecken und wagen den Schritt in den unterschiedlichsten Branchen und Aufgabenfeldern selbständig tätig zu sein.
In der neu aktualisierten bga-Broschüre „Selbständigkeit von Frauen aus den Geisteswissenschaften“ finden Sie hierzu Anregungen, Hintergrundinformationen und Portraits von erfolgreichen Gründerinnen aus dem Bereich der Geisteswissenschaften.
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